Medizinische Klinik

 

 

 

 

 

Wie häufig kommt Dickdarmkrebs in der Bevölkerung vor?

 

 

 

 

 

 

 

 

Warum ist beim Darmkrebs im Gegensatz zu vielen anderen bösartigen Erkrankungen eine Vorsorge möglich?

 

 

 

Durch welche Vorsorgemaßnahmen kann man Polypen feststellen?

 

 

 

 

 

 

 

 

Warum ist die Vorsorgedarmspiegelung bei der Bevölkerung so wenig beliebt?

 

 

 

 

 

 

Wie können Sie Menschen davon überzeugen,

sich doch untersuchen

zu lassen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gibt es schwerwiegende Komplikationen bei einer Darmspiegelung?

 

 

 

 

 

 

 

 

Gibt es weniger gefährliche Alternativen zum Nachweis von Polypen?

Privatdozent Dr. Christian von Tirpitz, Chefarzt der Medizinischen Klinik der Kreiskliniken, beantwortete im Februar 2010 Fragen zum Thema Darmkrebs.



Dickdarmkrebs ist nach wie die zweithäufigste bösartige Tumorerkrankung in unserem Land. Bei Männern kommt nur der Prostata-Krebs bei Frauen nur der Brustkrebs häufiger vor. Die Wahrscheinlichkeit, irgendwann in seinem Leben an Dickdarmkrebs zu erkranken, beträgt 6%. Diese Wahrscheinlichkeit nimmt aber noch deutlich zu, wenn erstgradig Verwandte (Eltern, Geschwister)schon diese Erkrankung hatten. In Deutschland sterben ca. siebenmal mehr Patienten am Dickdarmkrebs als im Straßenverkehr.


Der Darmkrebs unterscheidet sich von den meisten anderen Tumoren dadurch, dass meistens schon Jahre vor dem eigentlichen Ausbruch der Erkrankung Vorstufen, so genannte Polypen, bestehen, die wir entfernen können. Damit schützen wir einen Menschen davor, dass sich aus diesem Polypen ein bösartiger Tumor entwickeln kann.


Die am häufigsten durchgeführte Maßnahme ist die Stuhluntersuchung auf Blut. Ein Polyp oder auch ein bösartiger Tumor kann kleinste Mengen Blut abgeben, die das Auge nicht wahrnimmt, aber mit dem Test diagnostiziert werden kann. Das Problem ist nur, dass nicht jeder Polyp ständig blutet, sodass der Test auch fälschlich einen unauffälligen Befund anzeigen kann. Deswegen wird seit einigen Jahren für jeden Bürger ab dem 55. Geburtstag eine Koloskopie von den Krankenkassen bezahlt, da nur diese Untersuchung eine größtmögliche Sicherheit bietet.


Leider nehmen bis jetzt immer noch nur ca. 15 % der Berechtigten das Angebot einer Vorsorgedarmspiegelung wahr, bei Männern sogar noch weniger. Dies liegt wohl daran, dass die allermeisten Menschen immer noch Angst vor Schmerzen während der Untersuchung und vor allem vor dem Ergebnis haben, außerdem spielt das Schamgefühl eine wichtige Rolle, weswegen sich viele Menschen nicht für eine Darmspiegelung entscheiden können.


Ich versuche immer und überall deutlich zu machen, dass die Wahrscheinlichkeit, an Dickdarmkrebs zu erkranken, durch Teilnahme an der Vorsorgeuntersuchung praktisch nicht mehr vorhanden ist. Dies ist das stärkste Argument! Die Angst vor der Untersuchung können wir Ärzte nur dadurch nehmen, dass wir die Darmspiegelung schmerzfrei durchführen, was mit den heute üblichen Medikamenten, die den Patienten während der Untersuchung schlafen lassen, absolut gewährleistet werden kann. Der Patient zieht sich auch vor der Untersuchung eine Spezialhose an, die das Schamgefühl in keinerlei Weise verletzt. Auch die Abführprozedur vor der Untersuchung ist mit den heute üblichen Mitteln deutlich besser geworden, da meist schon 2 Liter Abführlösung für eine gute Darmreinigung ausreichen.


Komplikationen können ärztlichen Behandlungen immer auftreten, darauf muss jeder Patient auch vor der Untersuchung ausführlich aufgeklärt werden. Die Häufigkeit hängt immer auch von anderen Faktoren, wie Alter des Patienten und Begleiterkrankungen, ab. Außerdem davon, ob bei der Darmspiegelung auch noch gleich ein Polyp entfernt wird. Die größte Angst besteht bei der Bevölkerung vor einem Darmdurchbruch im Rahmen der Koloskopie. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist aber verschwindend gering, und liegt bei 1:10.000.


In den letzten Jahren ist die „virtuelle Darmspiegelung“ eingeführt worden, und seither von den Patienten immer wieder nachgefragt. Es handelt sich um eine dreidimensionale Rekonstruktion des Darmes nach vorheriger Computertomographie oder Kernspintomographie. Das Risiko der Darmperforation besteht zwar nicht, jedoch ist die Vorbereitung dieselbe wie bei der richtigen Darmspiegelung, und wenn bei der virtuellen Untersuchung ein Befund erhoben wird, muss zusätzlich die Darmspiegelung erfolgen, um Gewebeproben zu entnehmen, oder den Polypen zu entfernen. Daher ist diese Untersuchung noch nicht allgemein empfohlen.

 

Die Selbsthilfegruppe

ILCO e. V., Gruppe Biberach bietet an jedem dritten Donnerstag im Monat

ein Treffen an für Menschen mit Darmkrebs oder Stomaträger

in der Kreisklinik Biberach, Speisesaal, 07351 575756